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17.7.2018 Zwischen Freudentaumel und Fußballdiplomatie

Der WM-Sieger wird in Paris gefeiert und Stefan Brändle berichtet im Standard vom Empfang: „Dann hatten Frankreichs neue Helden einen Termin im Elysée. Macron beweist nicht nur Sinn für mediale Inszenierungen, sondern auch für nationale Symbole. Zum Halbfinale hatten sich der kinderlose Präsident bereits von einem zwölfjährigen Schüler aus der Banlieue-Stadt Créteil begleiten lassen; zum Finalspiel nahm er einen Stabsgefreiten mit, der im laufenden Wüstenkrieg in Mali ein Bein und einen Arm verloren hat.

Dort wurde dann von der Équipe Tricolore die Nationalhymne angestimmt:

Der Hausherr wurde vom französischen Spieler Paul Pogba noch gebeten, zur Feier des Tages die Jubel-Figur „Dab“ zu zeigen:

Nadia Pantel versteht in der Süddeutschen Zeitung die Freude in Frankreich über dem WM-Titel auch als Kontrapunkt zu Akten islamistischen Terrors: „Die Islamisten haben Frankreich überall dort angegriffen, wo Menschen aller Hautfarben und Religionen zusammenfinden. Im Fußballstadion, an der Strandpromenade, in den Bars, auf einem Konzert. Sie wollen verhindern, dass in Frankreich das gilt, was heute auf die Innenseite der Nationaltrikots gedruckt ist: ‚Unsere Unterschiede vereinigen uns‘.

Und Marina Schweizer kommentiert im Deutschlandfunk mit dem selben Aufhänger: „Unsere Unterschiede einen uns – dieser Trikotslogan war keine bloße pathetische Überhöhung einiger Marketing-Experten, diese Einigkeit möge ab sofort auf die gesamte französische Gesellschaft ausstrahlen. Das Team hat sie einfach vorgelebt – wie gute Vorbilder das so machen. Anders als der Deutsche Fußballbund, der seine markige WM-Kampagne mit dem Schlagwort #zsmmn retrospektiv selbst zur Farce machte: Etwa beim öffentlichen Nachtreten gegen Mesut Özil nach dem glanzlosen Vorrunden-Aus.

Ähnlich sieht es Georg Blume bei Spiegel Online: „Wie Frankreich mit seinen Pogbas und Mbappés umgeht, wie selbstverständlich und unvoreingenommen das Land die beiden Finaltorschützen, noch dazu den jüngsten seit dem großen Pelé, zu seinen Helden kürt, sollte der im Streit um ihren deutsch-türkischen Nationalspieler Mesut Özil erstarrten deutschen Fußballöffentlichkeit eine Lehre sein. Es geht eben nicht mehr oder nur schlechter ohne Multikulti im Fußball.

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